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Narkosearten

Minimierung des Narkoserisikos

Mit jeder Narkose ist ein gewisses Risiko verbunden. Dieses ist unter anderem abhängig vom Alter, der körperlichen Fitness, möglicherweise vorliegender Herzerkrankungen, einer Beeinträchtigung des Kreislaufsystems des Patienten - und natürlich von der Narkoseart.

Um das Narkoserisiko so niedrig wie möglich zu halten, verwenden wir bei unseren Patienten grundsätzlich die in der Humanmedizin bewährte Inhalationsnarkose. Nur in Ausnahmefällen und auf speziellen Besitzerwunsch greifen wir auf billigere Alternativen zurück (siehe unten).
Die Inhalationsnarkose besitzt den Vorteil der Steuerbarkeit der Narkosetiefe, das heißt der Anästhesist kann den Patienten während der Operation bei Bedarf weniger tief schlafen lassen und im Notfall die Narkose sogar abbrechen.
Nach der Operation erwacht Ihr Tier wesentlich schneller und das stundenlange orientierungslose Umhertaumeln entfällt in den meisten Fällen (bei organisch gesunden Patienten).
Der kritische Teil der Aufwachphase, in dem die Patienten durch Abknicken des Halses oder Verschlucken der Zunge ersticken können, ist bei Inhalationsnarkosepatienten deutlich verkürzt. Die Tiere laufen in der Regel bereits 30-60 Minuten nach der Operation wieder!

Für intensivmedizinisch zu betreuende Patienten besteht die Möglichkeit zur stationären Aufnahme in unserer Praxis.

Wir beantworten Ihnen vor jedem operativen Eingriff alle Ihre Fragen zur Operation, dem Narkoserisiko und der zu empfehlenden Narkoseart.

Narkosearten

Wir setzen bei Ihrem Tier (mit Ihrem Einverständnis) die jeweils optimale Narkoseart ein, auch wenn sie etwas teurer ist, um das - immer vorhandene - Narkoserestrisiko so gering wie möglich zu halten!
Im Folgenden erklären wir Ihnen die verschiedenen Narkosearten, die in unserer Praxis angewendet werden.

Inhalationsnarkose

Die schonendste und sicherste Narkoseform ist die Inhalationsnarkose.
Das Narkosegas wird im Gegensatz zu den Injektionsnarkotika, die in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden werden, direkt über die Atmung wieder aus dem Körper transportiert. Außerdem hat der Anästhesist die Möglichkeit, die Tiefe der Narkose während der Operation zu steuern und im Notfall abzubrechen.
Die Patienten wachen sehr schnell aus der Narkose auf. So ist z.B. ein gesundes Tier, das kastriert wurde, im Normalfall nur etwa eine Stunde nach der Operation wieder auf den Beinen.

Bevor ein Patient in Narkose versetzt wird, legen wir bei Hunden einen Venenzugang. In diesen wird ein Kurznarkotikum gespritzt, welches für etwa 5 Minuten Schlaf ausreicht.
Während dieser Zeit legen wir einen Tubus (ein Gummischlauch) in die Luftröhre, durch welchen später das Narkosegas strömen kann. So wird erstens gewährleistet, dass sich der Patient nicht verschluckt und zweitens, dass das Narkosegas auch wirklich in der Lunge ankommt. Die Atemwege sind frei und kontrollierbar.
Katzen erhalten vor der Intubation eine Sedation und Narkosegas zunächst über eine Maske.
Die Menge des Narkosegases kann während der Operation an den Zustand des Patienten angepasst werden.

Bei Reptilien oder sehr kleinen Heimtieren wird das Narkosegas meist in eine Narkosekammer eingeleitet, oder das Kurznarkotikum direkt in die Vene gespritzt. Wir intubieren alle Reptilienpatienten.

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Kurznarkose

Manchmal ist es nötig, einen Patienten für kurze Zeit in einen Dämmerzustand (Sedation) oder in Narkose zu versetzen, z.B. wenn eine spezielle Röntgenaufnahme ohne Narkose nicht möglich wäre (auch wenn wir fast immer darauf verzichten können).
In diesem Fall kommt die Kurznarkose zum Einsatz. Sie wirkt sehr schnell und kann durch ein Gegenmittel ebenso schnell wieder beendet werden.
Das Narkosemittel kann entweder direkt in die Vene (Wirkung innerhalb von Sekunden), oder in den Muskel (Wirkung innerhalb weniger Minuten) gespritzt werden.
Gleiches gilt für das Gegenmittel.

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Heimtiernarkose

(Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Vögel...)

Diese Tierarten sind aufgrund ihrer Stressanfälligkeit immer schwierigere Narkosepatienten als Hunde oder Katzen. Aus diesem Grund verwenden wir eine spezielle Kombination verschiedener Narkosemittel (und deren Gegenmittel), oder die bewährte Inhalationsnarkose, um das Risiko so weit wie möglich zu senken.
Für länger dauernde Eingriffe und bei Vögeln wenden wir grundsätzlich die Inhalationsnarkose an.

Kaninchenzahnpatienten werden intubiert, um auch in schwierigen Momenten jederzeit eine künstliche Beatmung sicherstellen zu können.

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Injektionsnarkose

Bei der "klassischen" Injektionsnarkose ("Billignarkose") wird dem Patienten das Narkotikum in die Muskulatur oder direkt in die Vene gespritzt.
Die Wirkung setzt nach etwa 5-15 Minuten ein und hält etwa 30-60 Minuten an.
Danach beginnt der Aufwachvorgang, der Stunden dauern kann. Auffallend ist in dieser Zeit das mehr oder weniger orientierungslose Umhertaumeln.
Diese Narkoseform verwenden wir nur noch auf speziellen Tierhalterwunsch bei jüngeren Katzen, die für kleinere Eingriffe - z.B. Kastration - zu uns kommen. Im Anschluss erhalten die Patienten ein Gegenmittel, um schneller wieder wach zu werden.

Diese "klassische" Injektionsnarkose sollte streng von der sogenannten "Totalen intravenösen Anästhesie" abgegrenzt werden!
Diese stellt eine echte Alternative zur Inhalationsnarkose dar, da nur hochwertige, kurz wirksame Narkosemittel in die Vene gspritzt werden.

Der Unterschied zwischen der Totalen intravenösen Anästhesie und der Inhalationsnarkose besteht darin, dass Narkosegas nahezu keinerlei Belastung für Leber oder Nieren darstellt, sondern direkt über die Lungen wieder ausgeschieden wird, während intravenöse Narkotika von Leber und Nieren verstoffwechselt werden müssen.

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