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Nach der Narkose

Übersicht


Was muss eigentlich nach einer Narkose beachtet werden?

Nahezu alle Patienten verlassen unsere Praxis weitestgehend oder komplett wach. Nur in Ausnahmefällen (auf Wunsch und Risiko der Besitzer) kann es vorkommen, dass ein Tier schlafend nach Hause geht. Wir raten jedoch dringend davon ab!


Nach der Inhalationsnarkose

Patienten, die unter Inhalationsnarkose operiert wurden, sind beim Nach-Hause-Gehen bereits wach. Zwar kann es bei älteren Tieren vorkommen, dass sie noch etwas wackelig auf den Beinen sind, die kritische Aufwachphase ist allerdings bereits überwunden.

Da Inhalationsnarkosepatienten (bis auf seltene Ausnahmen) intubiert waren (also einen Schlauch in der Luftröhre hatten), könnte es möglicherweise im Laufe des Tages noch zu trockenem Husten mit oder ohne schaumigem oder schleimigem Auswurf kommen.
Bitte melden Sie sich bei uns, falls Sie sich Sorgen machen.

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Nach der Injektionsnarkose

Wenn ein Tier nach einer Injektionsnarkose (z.B. Kater- oder Kätzinnen-, selten Rüdenkastration) entlassen wird, dann hat es bereits die kritische Phase des Aufwachens zum größten Teil überstanden.
Dennoch ist der Patient noch nicht vollständig wach. Die Restnarkose muss langsam vom Körper (in Leber und Nieren) abgebaut werden.
In dieser Zeit (etwa 12-24 Stunden) kann Ihr Tier noch nicht alle Bewegungen (z.B. Laufen, Schlucken...) richtig koordinieren.

Legen Sie Ihren Liebling möglichst auf eine warme Unterlage (Decke, Wärmflasche, etc.), und schützen Sie ihn vor Auskühlung.
Zwingerhunde und Tiere, die normalerweise im Freien leben, sollten während der Aufwachzeit in warme Räume verbracht werden.

Wasser sollte erst dann (in kleinen Mengen) angeboten werden, wenn der Patient wieder auf den Beinen stehen kann (wenn auch wackelig). Dann ist die Wahrscheinlichkeit des Verschluckens geringer.
Auch die erste Mahlzeit darf frühestens zu diesem Zeitpunkt oder besser noch später angeboten werden. Sie sollte nur klein ausfallen und erst 24 Stunden später wieder die normale Menge betragen.

Viele Tiere, insbesondere Katzen, beginnen sich in der Aufwachphase unsicher und torkelnd zu bewegen.
Dies ist normal und kein Grund zur Beunruhigung.
Damit sich Ihr vierbeiniger Freund dabei nicht verletzen kann, legen Sie ihn bitte unter Aufsicht auf einer Decke flach auf den Boden oder noch besser in die Transportbox (nicht auf Sessel, Sofa, etc. oder in Treppennähe - Sturzgefahr!).

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Unabhängig von der Narkoseart zu beachten

Falls wir Ihrem Liebling einen Halskragen angelegt haben, dann nur zu seinem eigenen Schutz. Tiere neigen dazu, an frischen Operationwunden oder an Pflastern zu lecken oder zu knabbern.
Dies kann schnell zu Wundinfektionen oder zur Eröffnung der Wunde führen und somit schwere Komplikationen nach sich ziehen. Bitte lassen Sie deshalb den Halskragen unbedingt rund um die Uhr (bis zum Fädenziehen) angelegt.

Ob und wann die Fäden gezogen werden hängt von der Art der Operation ab.

Beispiele:

Nach einer Katerkastration müssen keine Fäden gezogen werden, weil nichts vernäht wird (die Wunde heilt so besser).

Wir nähen Kätzinnen und Rüden bei ihrer Kastration mit einem selbstauflösenden Faden, der von außen fast nicht zu sehen ist. Das erspart bei Katzen in den allermeisten Fällen das Anlegen eines Halskragens, weil die Wunde nicht als störend empfunden und beleckt wird.
Rüden sind da weniger zurückhaltend und bekommen deshalb trotzdem einen Halskragen (sicher ist sicher!), der nach einer Woche abgelegt werden darf. So lange ist auch Leinenpflicht angesagt!
Sollte ausnahmsweise nach 1-2 Monaten ein Fadenrest an der Narbe zu sehen sein, dann schneiden Sie ihn vorsichtig ab oder kommen bei uns vorbei.

Da bei einer Hündinnenkastration die Bauchhöhle eröffnet wird, ist ein aufwändigerer Wundverschluss (in 3 Schichten) nötig. Das Belecken der Wunde wird mit einem Halskragen verhindert. T-Shirts oder Bodies reichen bei hartnäckigen Patientinnen auf keinen Fall aus.
Am schnellsten heilt die Wunde ohne Verband. Dabei versteht es sich von selbst, dass Wälzen im Dreck oder Baden im Tümpel frühestens eine Wochen nachdem die Fäden entfernt wurden, erst wieder erlaubt sind.
Gezogen werden die Fäden im Normalfall nach 10 Tagen.

Kaninchen-, Meerschweinchen- oder Mäuse(jeglicher Art)-Böckchen werden mit 2 kleinen Hautheften vernäht. Die Fäden werden nach 7 Tagen gezogen. Manchmal übernehmen das auch die Patienten für uns.
Da Halskrägen das Wohlbefinden von kleinen Säugetieren erheblich beeinträchtigen, verzichten wir darauf. Sollte im extremen Einzelfall ein Tier an seiner Wunde knabbern, dann melden Sie sich bitte bei uns.

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Komplikationen!?

Auch bei sorgfältiger, gewissenhafter, hygienisch einwandfreier chirurgischer Vorgehensweise kann es nach einer Operation zu Komplikationen kommen.
Dies passiert jedoch nur ausgesprochen selten!

Bitte melden Sie sich bei uns, falls Ihnen eine Besorgnis erregende Veränderung an Ihrem Tier oder an der Operationswunde auffällt!

Fadenreaktionen sind (meist harmlose) Überempfindlichkeitsreaktionen der Patienten beim Auflösen des Fadens. So kann es bei Kätzinnen zur Bildung eines (bis zu 2cm) großen Knubbels an der Operationsnarbe kommen, der sich innerhalb von 2 bis 3 Wochen wieder komplett zurückbildet.
Bei Hündinnen erscheint in solchen Fällen die Wunde wie ein harter, leicht knubbelig geschwollener Strang.

Nach jeder Operation kann es zu leichtem Wundsekretfluss kommen.
Wundsekret ist heller als reines Blut. Bereits 1-2 Tropfen reichen aus, dass ein kleiner "Blutfleck" auf dem Boden oder im Körbchen entstehen kann. In der Regel hört der Sekretfluss nach 1-3 Tagen auf... wenn nicht, dann kommen Sie bitte in der Sprechstunde vorbei.

Im Gegensatz zum "normalen" Wundsekret ist eine echte Nachblutung ernst zu nehmen. Wenn aus der Wunde Blut tropft (z.B. nach Hündinnen-, Kätzinnenkastration) oder wenn der leere Hodensack (nach Rüden- oder Katerkastration) sich prall füllt und Blut heraustropft, dann könnte möglicherweise eine Nachblutung vorliegen.
Durch zu heftige Bewegungen (Rennen ohne Leine, Springen, Toben, etc.) kann es zum Abrutschen eines Fadens (Ligaturfaden) kommen, der große Blutgefäße im Bauch oder im Hodensack abgebunden hat.
Noch gefährlicher sind unbemerkte Blutungen in den Bauch. Selbst wenn das Blut nicht aus dem Körper austritt, geht es aus den Blutgefäßen verloren.
Der Patient kann innerlich verbluten!
Sollte Ihr Tier Stunden nach einer Operation zunehmend ruhiger und schwächer werden und vielleicht schneller atmen, dann drücken Sie bitte mit einem Finger auf die rosa Schleimhaut in der Maulhöhle (Zahnfleisch oder Backenschleimhaut). Beim Drücken wird das Blut aus den Kapillaren verdrängt und die Schleimhaut erscheint blasser (bis weiß); beim Loslassen füllen sich die Kapillaren wieder mit Blut und die Schleimhaut wird wieder rosa.
Diese sogenannte Kapillarrückfüllungszeit sollte maximal 2 bis 3 Sekunden betragen!
Bei Überschreitung dieser Zeit, ist der Kreislauf nicht voll funktionsfähig und sollte kontrolliert werden.
Rufen Sie uns bitte umgehend an!

Obwohl wir nahezu keine Operationswunden verbinden, kommt es fast nie zu Wundinfektionen - im Gegenteil! Wunden, an die Luft gelangt, heilen wesentlich schneller.
Dennoch gibt es hier und da mal Patienten, die trotz Halskragen und sauber gehaltener Wunde der Meinung sind, sie müssten mit dem Bauch über den Boden robben oder sich mit den Hinterbeinen an der Wunde kratzen...
Wenn es dann zu Rötungen und Schwellungen kommt, könnte eine Wundinfektion vorliegen. Kommen Sie bitte in die nächste Sprechstunde, damit wir das Problem beurteilen können.

Ausgesprochen selten kann es zu Fadenabstoßungsreaktionen kommen. Stellen Sie Ihr Tier bitte umgehend bei uns vor, falls sich die Wunde öffnen sollte (wenn auch nur teilweise).



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