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Fütterung von Kaninchen

 

Kaninchen nehmen täglich etwa 100 kleine Mahlzeiten zu sich. Daher ist eine ständige Futterverfügbarkeit sehr wichtig.

Wegen der besonders empfindlichen Anatomie und Physiologie des Verdauungstraktes, der bereits in der Maulhöhle bei den Zähnen beginnt, ist das richtige Futter essentiell wichtig für ein gesundes Kaninchenleben.

Die komplette, gesunde Ernährung setzt sich aus sehr wenigen Komponenten zusammen:

  1. hochwertiges Heu im Überfluss (wenn vorhanden Gras und Kräuter)
  2. etwa 10% Frischfutter (Gemüse und Grünfutter)
  3. maximal 1 Esslöffel Körnerfutter am Tag (nicht zwingend nötig)
  4. Wasser zur freien Verfügung

Heu muss immer im Überfluss vorhanden sein. Es enthält als einziges Futtermittel einen ausreichend hohen Anteil an Rohfaser und ist wichtig für den Abrieb der lebenslang wachsenden Zähne (auch Backenzähne!) und für eine gut funktionierende Verdauung.
Selbst reine Heupellets sind bedenklich, da sie zehnmal schneller gefressen werden als die gleiche Menge naturbelassenen Heus und somit die Zähne unnatürlich weit aus ihren Zahnfächern wachsen und schwerwiegende Probleme verursachen können.

Fast alle benötigten Vitamine können Kaninchen aus Heu selbst herstellen. Die restlichen werden von Helferbakterien im Blinddarm produziert und in der Regel vormittags mit dem Blinddarmkot gefressen. Dieses Verhalten ist absolut natürlich.

Kommerziell angebotenes Futter, aber auch Obst ist ebenso wie Brot (und sei es noch so hart), "Leckerli", Joghurtdrops oder Lecksteine ungeeignet für die gesunde Ernährung von Kaninchen!
Körnerfutter (sogenanntes "Alleinfutter") kann jedoch in der Trächtigkeit und Stillzeit hilfreich sein.

Die Futtermittelindustrie verkauft ihre Produkte, um den instinktiven Drang des Menschen nach abwechslungsreicher, bunter Kost zu befriedigen. Dieser Instinkt wird von Frauchen und Herrchen leider auch auf die Fütterung ihrer Lieblinge übertragen und ist somit die Basis vieler vermeidbarer Erkrankungen!

Die häufigsten Erkrankungen, die in der tierärztlichen Praxis bei Kaninchen auftreten und in den meisten Fällen durch artgerechte Fütterung von klein an vermeidbar gewesen wären, sind:

  1. Zahnspitzenbildung mit Schmerzen beim Kauen und Verletzungen von Zunge und Zahnfleisch
  2. akute Durchfälle (Obst-, Brot- und exzessive Körnerfütterung)
  3. chronische Durchfälle durch Hefepilzbefall im Darm (Ursachen siehe 2.)
  4. lebensbedrohliche, schmerzhafte Aufgasung des Magendarmtraktes durch Fehlgärung
  5. Abszessbildung in Ober- und Unterkiefer
  6. Verlegung und Entzündung des Tränennasenkanals durch Zahnwurzelprobleme

Wenn Sie Ihren Liebling auf gesundes Futter umstellen möchten, dann überstürzen Sie bitte nichts!
Reduzieren Sie das Zusatzfutter nach und nach - und nicht von heute auf morgen.
Auf Leckerchen, Joghurtdrops und Lecksteine können Sie sofort verzichten.
Achten Sie darauf, dass immer Heu im Überfluss vorhanden ist!

Wir beraten Sie gerne ausführlich und helfen Ihnen dabei, den Ernährungszustand Ihres Kaninchens selbst zu beurteilen.
Vereinbaren Sie einfach einen Termin!

Beobachten Sie Ihr Tier regelmäßig bei der Futteraufnahme!

Schlechte oder eingestellte Futteraufnahme sind ebenso wie Durchfälle ein Alarmsignal.
Das Kaninchen sollte umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden, damit die Ursache abgeklärt werden kann!


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