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Auslandskrankheiten

(Syn.: "Mittelmeerkrankheiten", "Reisekrankheiten", "südländische Infektionskrankheiten")

Mit welchen gefährlichen Krankheiten können sich Hunde (und Katzen) im Ausland infizieren?

Übersicht

Leishmaniose

Erreger und Übertragung

Die Erreger (Leishmania infantum, verursacht die kutane oder die viszerale Form der Leishmaniose), sind mikroskopisch kleine Parasiten, die Blutzellen von Menschen und Tieren befallen. Übertragen werden sie durch den Stich der Sand-, Schmetterlingsmücke der Gattung Phlebotomus in der Zeit von Mai bis Oktober. Hauptaktivitätszeit der Mücken ist in der Zeit von etwa einer Stunde vor und nach Sonnenauf-, bzw. Sonnenuntergang.

Die Verbreitung der Krankheit beschränkt sich auf den Lebensraum dieser Mücken in tropischen und subtropischen Zonen (Mittlerweile wurden jedoch auch in einigen Feuchtgebieten am Bodensee und am Niederrhein Sandmücken nachgewiesen).
Bislang gibt es keine 100% wirksame Prohylaxe gegen die Leishmaniose. Über die dennoch vorhandenen Möglichkeiten zum Schutz Ihres Tieres beraten wir Sie gern.

Die Infektionskette sieht folgendermaßen aus: Die 2 bis 3 mm große, blutsaugende weibliche Sandmücke sticht einen Wirt oder Zwischenwirt, der die Leishmanien genannten Parasiten beherbergt. Dies kann ein Wirbeltier, auch ein Mensch sein. Obwohl dieser Reservoirwirt die Leishmanien in sich trägt, muss er jedoch nicht automatisch auch erkranken. Er kann die Leishmanen über viele Jahre tragen, ohne dass die Krankheit ausbricht!
Im nächsten Schritt sticht die Sandmücke beispielsweise einen Hund und gibt auf diese Weise die Erreger weiter. Der Hund ist infiziert.

Ist Leishmaniose auf Menschen übertragbar?

Grundsätzlich werden die Leishmanien nur durch den Stich der Sandmücke übertragen. Jeder Reisende kann in den betroffenen Gebieten selbst mit Leishmanien infiziert werden.
Es besteht allerdings auch die Möglichkeit der Ansteckung durch Schmierinfektion, also beispielsweise über von Leishmanien verursachte Hautwunden über Kratzer oder Wunden bei Kindern (bis ca. 5 Jahre) oder immungeschwächten Erwachsenen!

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit kann zwischen 4 Wochen und bis zu 9 Jahren betragen. Es gibt einige Hunde, die zwar einen erhöhten Titerwert (benennt die Menge der Antikörper im Blut) haben, aber dennoch nicht erkranken. Dies erklärt sich einerseits aus einer erworbenen Immunität (ein intaktes Immunsystem hat ausreichend Antikörper gebildet) und spricht andererseits u.a. für die These, dass eine genetische Veranlagung vorliegen muss.

Symptome

Selbst bei einem grenzwertigen oder erhöhten Titerwert gilt: Solange der Hund keine klinischen Symptome zeigt, ist er auch nicht krank.
Die Symptomatik ist recht unspezifisch. Am auffälligsten sind Hautsymptome: Dünnes, glanzloses Fell, stellenweise Kahlheit, grobe Schuppung (weiß-silbrig), Ohrrandnekrosen, stellenweise Auflagerung von Schuppenkrusten und asbestartiger Schuppung. Zusätzlich können entzündliche ulzeröse Hautveränderungen auftreten, Augenbindehautentzündung, Krallenwachstum, Lymphknotenvergrößerungen, Mattheit, Durchfall, Gewichtsabnahme Gelenksentzündung.
Fast nie treten alle Symptome gleichzeitig auf, meist sind nur wenige Symptome vorhanden. Häufig labordiagnostische Befunde sind polyklonare Hyperglobulinanämie, Hypoalbuminanämie, Hyperproteinanämie, geringradige Erhöhung der Leberenzymwerte, Anämie, Thrombozytopenie, Azotämie und Kreatinämie, Leukopenie und Leukozytose mit Linksverschiebung.

Testverfahren

Titer-Test: Bluttest auf Antikörpertiter, das heißt auf spezielle körpereigene Bausteine des Immunsystems. Dieser Nachweis unterscheidet jedoch nicht zwischen erkrankten oder gesunden Tieren. Dieser Test beweist lediglich, dass im Körper des Hundes Antikörper gebildet wurden, um einer erfolgten Infektion entgegenzuwirken. Hat der Hund einen positiven Titer, zeigt jedoch keinerlei Symptome, gilt das Tier als momentan klinisch gesund. Die Antikörper halten die Leishmanien in Schach.
Regelmäßige Blutkontrollen alle 3 Monate sind jedoch dringend anzuraten!

Behandlung und Prophylaxe

Es existieren unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, die je nach Krankheitszustand vom Tierarzt gewählt werden.
Die Prophylaxe zur Vermeidung der Ansteckung hat immer oberste Priorität! Überlegen Sie sich gründlich, ob Ihr Hund wirklich in ein Leishmaniosegebiet reisen muss. Wenn es unumgänglich ist, dann informieren wir Sie gerne über die Möglichkeit einer Impfung, das richtige Timing beim Gassigehen und die richtigen Medikamente gegen Mücken.

In Spanien ist bereits jeder 4. Hund mit Leishmanien infiziert!

Vorsicht - es handelt sich um eine Zoonose (auf den Menschen übertragbare Krankheit)!
Infizierte Tiere dürfen nicht nach Deutschland einreisen!

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Babesiose

Der Erreger ist Babesia canis. Hunde infizieren sich durch den Stich infizierter Zecken. Die Babesien dringen in die roten Blutkörperchen ein, vermehren sich und zerstören sie.

Vorkommen v.a. in Südeuropa, jedoch auch seit Jahren in gewissen Gebieten in Deutschland (z.B. am Rhein), der Schweiz, Frankreich und Holland.
Die Inkubationszeit beträgt 3-16Tage.

Symptome

Der Verlauf kann akut, schleichend oder chronisch sein. Die typischen Symptome können ganz oder zum Teil fehlen:
Trübung des Allgemeinzustandes, Fieber, rötlich/brauner Urin, blasse Schleimhäute, und häufig, aber nicht immer, tritt ein hämolytischer Ikterus (Gelbsucht) auf, Milz- und Leberschwellung, angestrengte Atmung (infolge der Anämie und der Hämolyse).
In vereinzelten Fällen kann Durchfall auftreten, sowie Haut- und Schleimhautblutungen. Hämolytische Anämien infolge direkter Wirkung auf die Erythrozyten.

Diagnose

Babesiose-Erregernachweis im Blut

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkieten der Behandlung. Wir beraten Sie selbstverständlich gern.

Der beste Schutz vor Babesien ist der Schutz vor Zecken.

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Ehrlichiose

Erkrankung durch Ehrlichia canis ist wie auch die Babesiose eine Infektion, die durch Zeckenstiche ausgelöst werden kann. Inzwischen traten auch Erkrankungen in Frankreich, Deutschland, sowie in der Schweiz auf.

Symptome

Akut, oder meist chronisch, aber auch asymptomatisch, ca. 10-15 Tage nach der Infektion treten Fieberschübe ein. Nasen- und Augenausflüsse, geschwollene Lymphknoten, zentralnervöse Störungen, Gelenkentzündung, Durchfall, Erbrechen, blasse Schleimhäute.
Im Vergleich zur Leishmaniose ist im Blutbild die Thrombozytenanzahl häufig extrem niedrig. Außerdem liegt eine Hemmung der Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) vor.

Diagnose

Ehrlichia-Erregernachweis im Blut.

Behandlung

Wir beraten Sie selbstverständlich gern.

Der beste Schutz vor Ehrlichien ist der Schutz vor Zecken.

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Dirofilariose (Herzwurmkrankheit)

Dirofilarien sind weltweit in warmen Klimazonen verbreitet. Ihre Larven werden durch verschiedene Stechmückenarten übertragen. Es sind Würmer, die bis zu 30 cm lang werden können. Sie siedeln sich vor allem im Herzen und der vom Herzen in die Lunge führenden Arterie an. Dadurch können sie diese Gefäße verstopfen.
Atemnot durch eine eingeschränkte Herzfunktion, Abschwemmung von Würmern in die Venen des Körpers (Embolien, Organschäden) sind möglich. Im Zuge der eingeschränkten Herzfunktion kann es zu chronischem Husten und zur Bauchwassersucht, im schlimmsten Fall zum Tod durch Herzkreislaufversagen kommen.

Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung.

Die Therapie mit Medikamenten kann schwierig sein, führt aber in der Regel zur Heilung.Die Therapie muss über einen längeren Zeitraum erfolgen, ihr Erfolg über einen weiteren Bluttest kontrolliert werden.
Bei sehr starkem Befall mit Herzwürmern kann es im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres kommen.

Eine Prophylaxe, die die Hunde vor Herzwurmbefall schützen soll, steht z.B. in Form von Tröpfchen, die auf die Haut des Hundes aufgeträufelt werden müssen, zur Verfügung.

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Hepatozoonose

Hervorgerufen durch einen Einzeller, verläuft die Hepatozoonose meist unerkannt. Allerdings stirbt ein hoher Anteil der Hunde, die klinische Symptome zeigen.
Die Einzeller siedeln sich in Lymphknoten, Knochenmark und inneren Organen des Hundes an.

Typische Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Muskelschwäche und blutiger Durchfall. Die Knochen verändern sich, die Muskeln verursachen Schmerzen.

Auslöser ist nicht der Biss der Braunen Hundezecke, sondern das Verschlucken: Der Hund zerbeißt die Zecken, die in seinem Fell sitzen; so gelangt der Erreger in den Verdauungstrakt.
Bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war Hepatozoonose sehr selten. Seither hat die Verbreitung insbesondere im Mittelmeerraum zugenommen.

Der beste Schutz vor Hepatozoen ist der Schutz vor Zecken.

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Um herauszufinden, ob sich ein Tier im Urlaub mit einer der Krankheiten infiziert hat, empfehlen wir, 4 Wochen nach dem Urlaub eine Blutuntersuchung durchführen zu lassen.

Über sinnvolle Wiederholungsintervalle für die Tests beraten wir Sie gerne.

Wir beantworten Ihnen gerne weitere Fragen zu Prophylaxe, Nachweis und Therapie der Krankheiten.



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